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Leben in Resonanz

Was ist Resonanz?

Das Wort Resonanz wird in vielen Zusammenhängen benutzt. Astronomisch kennzeichnet Resonanz den Effekt der Wechselwirkung zwischen zwei Himmelskörpern, die ein dritter Himmelskörper umkreist. Die akustisch-physikalische Resonanz ist ein durch Schallwellen angeregtes Mitschwingen oder Mittönen eines anderen Körpers. In der Musik bezeichnet Resonanz eine Verstärkung oder Verfeinerung, bspw. durch Obertöne. Sonare bedeutet im Italienischen Klingen. In der Alltagssprache ist Resonanz die rationale Verarbeitung  einer emotional bestimmten Reaktion auf eine von außen kommende Anregung. Resonanz kann positiv als Harmonie und negativ als Dissonanz bezeichnet werden. Wer die Aufmerksamkeit immer weiter oder tiefer nach innen richtet, entdeckt eine verweilende stille Resonanz, ein nicht lokalisierbares Gewahrsein, das in sich selbst ruht und in dem Gefühle, Empfindungen und Gedanken erscheinen. Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die innere Resonanz wird auf vielfältige Weise auf der ganzen Welt praktiziert. Aus Indien sind die Satsangs bekannt und aus den USA das Communitybuilding.

Resonanz als kulturelle Erscheinung

In den kapitalistischen Gesellschaften regeln die Menschen eine Vielzahl von Organisationen, die auch die Lebensführung strukturell regulieren. In kollektiven Einrichtungen interessieren sich die Menschen für ihre Mitmenschen primär unter formalen und sachlichen Nutzenabwägungen.  In der öffentlichen Anonymität wird ein emotional kontrollierter, höflicher Umgang erwartet. Erwünscht sind zweckorientierte Begegnungen unter Missachtung des persönliche Befindens. Unsicherheiten werden überspielt. Die Menschen inszenieren sich als unabhängige, selbstsichere Wesen auf der Grundlage konventioneller Rollenerwartungen und Statuspositionen.

Die staatliche und die kommerzielle Kultur fordern eine distanzierte Beobachtermentalität. In der Öffentlichkeit werden persönliche Inszenierungen erwartet, die auf die jeweiligen Bezugsrahmen passend abgestimmt werden. Die Vielzahl und die Dynamik der Rahmenbedingungen führt dazu, dass die Einzelnen nur Ausschnitte der gesellschaftlichen Realität erleben können. Oft können sie den Realitätsgehalt des Gezeigten und Gespielten nicht überprüfen. Die Konditionierung bewirkt nicht nur, dass die Beobachter die medialisierte Welt als fortlaufendes Schauspiel des Lebens akzeptieren: Sie halten die Inszenierungen für natürlich.

Wissenschaftlich aufgeklärte Menschen lösen die in der Anonymität säkular rationalisierter Realität gestalteten Beziehungen auf unkonventionelle Weise von den kollektiven Normvorgaben. Sie reflektieren den scheinbar unstillbaren Drang nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bestätigung. Sie stellen tradierte Interpretationsmuster in Frage. Die gesellschaftliche Wirklichkeit zeigt nicht, ob die Anwesenden sich als Schauspieler inszenieren oder in ihren Rollen Vorstellungen von Authentizität anstreben oder das Geschehen in absichtsloser Klarheit realisieren. Vermieden werden risikoreiche Selbstaussagen, intime Nähe und der experimentelle Selbstausdruck. Manche Menschen werden herzkrank, weil sie den Ruf des Herzens nicht hören, sich in die Enge treiben, sich emotional verschließen und gegenseitig mit Standpunkten festlegen. Dissonanzen erzeugen Spannungen. Missstimmungen bewirken Distanz.

Befreiung aus isolierender Enge

Ist es möglich, die kreative menschliche Vielfalt in universeller Resonanz bewusst zu erleben und zu gestalten? Nachdem wir den individuellen Besonderheiten Raum geben, richten wir in resonancing die Aufmerksamkeit auf die Hintergrund-Stille, bzw. auf das, in dem die relativen Erscheinungen vorüber fließen. Die Anwesenden reflektieren im Zusammensein, inwieweit persönliche Risiken eingegangen werden und wie Verantwortung übernommen wird. Wir schwingen uns ein, indem wir unsere Eigenschwingungen auf die Schwingungen der anderen im Raum einstimmen. In transformativer sozialer Präsenz sind wir uns der Kommunion aller Erscheinungen gewahr.

Wir sind Schwingungen in Schwingungsräumen

Im Verweilen im stillen Gewahrsein sind wir potentielle Informationen, die sich im Austausch mit anderen möglichen Informationen realisieren. In Resonanz reflektieren wir aufmerksam die Qualität unseres Bezogenseins. Wir erkennen die Mechanismen dissonanter und resonanter  Beziehungsmuster. Wir erleben uns in transformativer Resonanz. Die Kunst in Resonanz zu sein, basiert auf dem absichtslos aufmerksamen Mitschwingen in der komplexen einzigartigen Bewusstseinsquelle, die in allem Wahrnehmbaren sich zeigt.

In Resonanz entscheidet die einzelne Person selbstverantwortlich über die Ausrichtung der Wahrnehmung. Wir können uns hinter Rollen, Klischees, Erwartungen und hierarchischem Statusdenken verstecken. Wir können unsere Deutungen, Reaktionen und Glaubenssätze beziehungslos nebeneinander und gegeneinander stellen. Wir können auch riskieren, uns von anerzogenen und erdachten Einschränkungen zu befreien. Wir zeigen uns dann im Bewegungsgeschehen ungeschminkt in allen möglichen gewohnten und ungewohnten Facetten: verletzbar, unsicher, liebevoll, aggressiv et cetera. Freuen wir uns im fortwährenden Ereignisfluss über die zwischenmenschlichen Differenzen. Wer sich voraussetzungslos in der Stille des Herzens auf andere bezieht - der ist in Resonanz. Wenn wir uns sensibel gewahr sind und uns absichtlich fürsorglich, liebend, respektierend begegnen, sind wir in bewusster raum-zeitlicher Resonanz. Im Gewahrsein von Resonanz schwingt eine achtsame, durchlässige, wache Anwesenheit im Miteinander-Sein. Im Licht dieser Wachheit wird die duale Struktur von Führern und Geführten als Illusion erkannt. Indem wir im Gewahrsein handeln, entsteht ein kollektive Präsenz, die in sich schwingend ruht.

In Resonancing gehen wir persönliche Risiken ein, indem wir uns ungeschminkt und mitverantwortlich für das kollektive Resonanzfeld präsentieren. In Resonanz öffnet der Einzelne seine Eigenwelt (seine Selbstbezogenheit) und vertraut sich auf seine Weise dem Fluss der Begegnung an.

Aus soziologischer Sicht führen vier Beziehungsmuster von der konventionellen Kommunikation in die Einheit achtsamer Verbundenheit:

  1. Anpassung an äußere Gegebenheiten (formale Inklusion). Die Menschen orientieren ihr Verhalten an herrschenden  Konventionen und passen sich formal an die äußeren Situationsbedingungen  an. Die höflich inszenierte Verbundenheit zeigt sich in: Small talk, Komplimenten, Floskeln, harmlosen Selbstaussagen, kleinen  Erwachsenenspielen, spielerischen Provokationen, intellektuellen und emotionalen Selbstinszenierungen.
  2. Unbestimmtheit (inkludierende Exklusion). Das Verhalten wechselt chaotisch zwischen reflexiver Rollendistanz, aggressiver Selbstbehauptung, diplomatischen Vermittlungsversuchen, rhetorischen Bekehrungsversuchen und ängstlicher Selbstaufgabe. Der Austausch der Eigeninteressen führt in die Unbestimmtheit dissonanter Sozialität. In einem Gegeneinander, Durcheinander und Nebeneinander wird offen und verdeckt um Macht gekämpft,  rivalisiert, spekuliert, philosophiert, distanziert, solidarisiert, gepokert,  kooperiert, konkurriert, verbessert, geholfen, abgelehnt, ignoriert ...
  3. Befreiung. Die Einsicht in die Selbstblockade der Resonanz kann zur Aufgabe jeglicher individueller Wichtignahme und Vorteilssuche führen. In diesen Fällen wird die Selbst- und Fremdwahrnehmung von der einschränkenden, ichfixierten Perspektive des individuellen Universums gelöst und erweitert. Die Menschen auf dem Podium lassen ungeschminkte Selbstdarstellung zu. Sie lernen, einzigartige, verschiedene und gleiche Aspekte der Mitglieder zu achten und erfreuen sich an unzensierten Selbstaussagen.
  4. Resonanz. Wir erleben die Kraft der Resonanz, wenn Herz und Geist offen sind, wenn wir uns intensiv der inneren Stille gewahr werden, wenn wir anderen und uns selbst fürsorglich, liebend, redend, hörend, schweigend, verstehend begegnen. Als Moving Patterns erfreuen wir uns wie ein Fischschwarm im Fluss der Liebe in Gemeinschaft mit allem Anwesenden.

© Dr. Gerhard Schäuble, Theragogik® International, Gaußstraße 180, 22765 Hamburg,  Telefon (0049) 040 399 06 707,